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Internationale Delegationen auf Besuch beim GBV

Rund zehn Delegationen aus verschiedensten Ländern besuchen pro Jahr das Verbandsbüro, um Näheres über das österreichische Modell des gemeinnützigen Wohnbaus zu erfahren, sich Inspiration zu holen und in einen Austausch über aktuelle Herausforderungen zu treten. Das wohnwirtschaftliche Referat empfing bereits Gäste aus allen Kontinenten, am intensivsten ist naturgemäß der Austausch mit Wohnungsverbänden aus anderen EU-Mitgliedsstaaten. 


So durften wir in den vergangenen Wochen Delegationen aus Estland, Deutschland und Frankreich empfangen und ihnen bei Exkursionen interessante Projekte gemeinnütziger Bauvereinigungen näherbringen.


Dekarbonisierung und biobasiertes Bauen im Fokus der französischen Delegation
Ende Juni bekamen wir Besuch einer Delegation des sozialen Wohnbauträgers „Haute-Savoie Habitat“ aus dem gleichnamigen französischen Departement. Neben einem Austausch (in unsererseits etwas holpriger französischer Sprache) über das gemeinnützige Geschäftsmodell, die wohnungspolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Neubau und Sanierung in beiden Ländern waren die Gäste besonders interessiert an den Entwicklungen im Bereich Dekarbonisierung und biobasiertes Bauen. 


Nach dem Treffen im Verbandsbüro wurde unter fachkundiger Führung durch feld72 Architekten und Bauträger Schwarzatal der innovative Holzhybridbau Vis-a-Vis besichtigt: ein Beispiel für soziale und ökologische Nachhaltigkeit im geförderten Wohnbau, das gemeinsam mit der Baugruppe vis-a-wien entwickelt und extern wissenschaftlich begleitet wurde. Ziel war die partizipative Realisierung eines klimaneutralen Demonstrationsgebäudes – der Endbericht ist hier nachzulesen: Publikation über unser Klimademo-Haus - Vis-à-Wien
Die französischen Gäste merkten zwar an, dass eine so hohe Baudichte in ihrer Region nicht üblich sei, zeigten sich aber sehr beeindruckt von der Architektur, der klimaschonenden Bauweise sowie den Gemeinschaftsräumen und der Dachterrasse, welche von der Baugruppe bespielt werden.
 

Austausch über Bestandsstrategien mit dem deutschen VdW Südwest
Deutschland hat seit Jahrzehnten eine niedrigere Wohnbauquote als Österreich, auch die Bauleistung der meisten Mitglieder des deutschen Dachverbands GdW liegt pro Kopf unter jenen der österreichischen GBVs. Es liegt daher auf der Hand, dass bei den deutschen Wohnungsunternehmen die Bestandsentwicklung und Sanierung einen besonders hohen Stellenwert haben. Das zeigte sich auch beim Besuch der Delegation des VdW Südwest. 


Der VertreterInnen von genossenschaftlichen und kommunalen Wohnbauunternehmen lauschten interessiert den Ausführungen von Daniela Huber (Sozialbau) zum Bestandsmanagement der Sozialbau: Von der Zentralisierung von Einzelthermen über Bauteilaktivierung im Bestand, Ausrollung von Photovoltaiksystemen bis zu liegenschaftsübergreifenden Grätzl-Lösungen. In der intensiven Diskussion wurden Sanierungskosten, Förderungen und mietrechtliche Rahmenbedingungen verglichen und man war erstaunt, dass Sanierungen in Österreich im Regelfall ohne Anhebung der Miete umgesetzt werden. Umgekehrt präsentierte ein Mitglied der deutschen Delegation die Klimastrategie und den straffen Klimafahrplan seines Unternehmens, was wiederum in Österreich in dieser Form noch eine Seltenheit ist. Anschließend setzten die deutschen KollegInnen die Gespräche beim Wohnfonds Wien fort und besichtigten das Wiener Nordbahnviertel und das Sonnwendviertel. 
 

Estland informiert sich über leistbares Wohnen und ausgezeichnete GBV-Projekte
Auch eine Delegation von estnischen Wohnbauträgern (EKÜL - Eesti Korteriühistute Liit) war zu Gast im Verbandsbüro. Mit dabei war Andres Jaadla, der Berichterstatter beim EU-Ausschuss der Regionen ist. Die Gruppe erkundigte sich über die Erfolgsfaktoren des österreichischen Systems der Wohnungsgemeinnützigkeit, das seit Jahrzehnten leistbaren Wohnraum schafft, langfristig günstige Mieten ermöglicht und hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards sichert. 


Michael Gehbauer empfing die Gäste nicht nur in seiner Rolle als Verbandsobmann, sondern auch als Geschäftsführer der WBV-GPA. Eine Präsentation über Vorzeigeprojekte wie „Sophie 7“, dem Areal des ehemaligen Sophienspitals, das zum offenen Stadtquartier wurde, sowie eine Besichtigung des mehrfach ausgezeichneten Projekts Wientalterrassen durften dabei nicht fehlen.
 

Autorin: Gerlinde Gutheil-Knopp-Kirchwald, wohnwirtschaftliches Referat