GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

„Bereit sein, neu zu denken“

Kommentar des Obmanns der Vorarlberger Gemeinnützigen und Geschäftsführers der Vogewosi Dr. Hans-Peter Lorenz (Langfassung in Vorarlberger Nachrichten, vom Sa, 29.06.2019):

Ich sehe in der seriellen und in weiterer Folge industriellen Fertigung modularer Bauelemente die einzige Möglichkeit, die Einrichtungskosten und damit die Grundlage der Leistbarkeit halbwegs in den Griff zu bekommen. Erfolgreiche Beispiele dafür gibt es bereits in einigen Gemeinden und es werden immer mehr. Kostenreduktion über höhere Verdichtung zu erreichen, wäre wünschenswert, ist aber nur schrittweise möglich; die Bevölkerung muss das auch mittragen. Erst wenn unser Lebensraum enger wird und damit der wohnliche Leidensdruck zunimmt, wird eine höhere Dichte „gesellschaftsfähig“ und damit akzeptiert werden. Bei den Grundstücken spielt für die Gemeinnützigen die Verfügbarkeit eine größere Rolle als der Preis. Mit der Raumplanungsnovelle 2019 besteht Hoffnung, mehr Bewegung und Verdichtung in bestehendes Bauland zu bringen.

Nutzung teurer als Errichtung
Derzeit wird der soziale Wohnbau meist auf die Höhe der Herstellungskosten reduziert. Man muss jedoch von Anfang an auch die spätere Nutzung im Auge behalten. Denn diese ist deutlich länger und kostspieliger als die Bauphase. Zusätzlich zur Optimierung der „Ursprungs“-Kosten brauchen wir eine Nachhaltigkeit in der Finanzierung. Ein dauerhaft leistbares Entgelt erreichen wir neben der öffentlichen Förderung mit starker Co-Finanzierung durch gemeinnützige Eigenmittel. Eine Wohnanlage der Zukunft sollte sich weitgehend „selbst tragen“. Je weniger Eingriffe später notwendig sind, desto besser ist die Wohnanlage konzipiert. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man auch die Größe der Anlage im Auge behalten sowie die richtige Erst- und Wiederbelegung der Wohnungen.

Vorarlberg ist nicht Wien
Wohnanlagen müssen mit der jeweiligen Region harmonieren. In Ballungsgebieten sind höhere Verdichtungen durchaus funktionsfähig und wünschenswert. Oft haben jedoch kleinere Wohnanlagen eindeutig Vorteile: Weniger Wohnungen in einer Anlage reduzieren tendenziell das zwischenmenschliche Konfliktpotenzial im Haus und in der Nachbarschaft. Eine vernünftige Durchmischung mit finanziell/sozial stärkeren und schwächeren Bewohnern ist die beste Sozialarbeit, während eine Durchmischung mit Eigentumswohnungen im selben Gebäude aus meiner Sicht keine Vorteile bringt. Mietwohnungen gehört die Zukunft, denn berufliche Mobilität verlangt nach Flexibilität beim Wohnen. Gleichzeitig besteht Nachfrage nach leistbarem Eigentum.  Meiner Ansicht nach wird Mietkauf als Option für zeitlich verzögertes Eigentum mit geringem Startkapital in Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle spielen.


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