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GBV-aktuell Interview mit neuem Landesgruppenobmann Ing. Mag. Edgar Gmeiner

Herr Gmeiner, zunächst herzliche Gratulation zur Wahl zum neuen Obmann der Tiroler Landesgruppe. Was bedeutet Ihnen persönlich das Vertrauen Ihrer Kolleginnen und Kollegen, künftig die Interessen der Tiroler Gemeinnützigen vertreten zu dürfen? 
Vielen Dank. Dieses Vertrauen ist für mich Ansporn und Auftrag zugleich. In bin seit nunmehr 27 Jahren im gemeinnützigen Wohnbau tätig und weiß daher, was die Tiroler Gemeinnützigen gemeinsam leisten. Ich weiß aber auch um die unterschiedlichen Herausforderungen und Möglichkeiten vor der wir allesamt stehen.  In meiner neuen Funktion geht es daher nicht darum, einzelne Unternehmen in den Vordergrund zu stellen. Es geht darum, Erfahrungen zusammenzuführen, gemeinsame Positionen zu entwickeln und die Interessen aller Tiroler Gemeinnützigen mit einer 
klaren und sachlich fundierten Stimme zu vertreten. Unser gemeinsamer Auftrag verbindet: langfristig leistbaren, wirtschaftlich ausgewogenen, nachhaltigen und gleichermaßen qualitätsvollen Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen und zu erhalten.  


Sie sind gerade erst in Ihre neue Funktion gestartet. Mit welchen Zielen gehen Sie an diese Aufgabe heran und welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Jahren setzen? 
Ein wesentliches Ziel und ein persönliches Anliegen ist es, die Zusammenarbeit innerhalb der Landesgruppe weiter zu stärken, zu vertiefen und unsere gemeinsamen Anliegen gegenüber Land, Stadt, Gemeinden, im österreichweiten Revisionsverband und bei weiteren Partnerinnen und Partnern klar zu vertreten. Die Tiroler Gemeinnützigen verfügen über umfangreiche praktische Erfahrung, von der Projektentwicklung über den Neubau bis hin zur Sanierung und langfristigen Verwaltung. Dieses Wissen müssen wir noch stärker bündeln und frühzeitig in wohnungspolitische Entscheidungsprozesse einbringen. Inhaltlich sehe ich konkret drei zentrale Schwerpunkte, die ich hervorheben möchte: die Mobilisierung leistbarer Grundstücke, verlässliche Rahmenbedingungen für Neubau und Sanierung sowie eine stärkere öffentliche Vermittlung dessen, was Gemeinnützigkeit tatsächlich bedeutet: Kostendeckung, Vermögensbindung und die dauerhafte Reinvestition von Mitteln für gemeinnützigen Wohnbau sind keine abstrakten Prinzipien. Sie sind die Grundlage dafür, dass Wohnraum über Generationen hinweg leistbar bleibt. 


Tirol zählt zu den angespanntesten Wohnungsmärkten Österreichs. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft im Land? 
Tirol weist aufgrund seiner Topografie nur einen begrenzt verfügbaren Dauersiedlungsraum auf. Eine konstant hohe Nachfrage trifft damit auf ein knappes Angebot an geeigneten und finanzierbaren Grundstücken. Hinzu kommen weiterhin hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie komplexe rechtliche und technische Anforderungen.  Die aktuell solide Bauleistung der Gemeinnützigen darf kein Ruhekissen sein. Im Jahr 2025 haben die Tiroler Gemeinnützigen 1.170 Wohnungen fertiggestellt und auch für heuer gehen wir von leicht steigenden Fertigstellungen aus. Gleichzeitig deuten die Prognosen für den Gesamtmarkt auf sinkende Gesamtzahlen und weitere Verknappung im gewerblichen Sektor bis 2028 hin. Um die notwendigen Fertigstellungen im Gemeinnützigen Sektor halten zu können, ist von Förderseite darauf zu achten, dass neben den hohen Förderausgaben für Sanierungen ausrechend Fördermittel für den Neubau zur Verfügung stehen. Da Wohnbauprojekte mehrere Jahre Vorlaufzeit benötigen, müssen die notwendigen Voraussetzungen heute geschaffen werden.  
Zugleich gilt es, Neubau und Bestand gemeinsam zu betrachten: Wir brauchen weiterhin neue Wohnungen, müssen aber ebenso den vorhandenen Wohnraum technisch, energetisch und wirtschaftlich zukunftsfähig halten. 


Grund und Boden sind in Tirol knapp und teuer. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an leistbarem Wohnraum hoch. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit die Gemeinnützigen auch künftig ausreichend neue Wohnungen schaffen können? 
Es gibt nicht den einen Hebel. Leistbarer Wohnraum gelingt nur, wenn mehrere Voraussetzungen ineinandergreifen: An erster Stelle steht – wie schon vorhin erwähnt - die Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke zu Konditionen, die leistbare Wohnkosten ermöglichen.  Hier kommt den Gemeinden eine zentrale Rolle zu, etwa durch langfristige Baurechtsmodelle, eine konsequente Vertragsraumordnung und eine aktive Bodenpolitik.  Die Tiroler Wohnbauförderung ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner. Diese Verlässlichkeit und langfristige Planbarkeit müssen erhalten bleiben. Gleichzeitig braucht es effiziente Genehmigungsverfahren und eine kritische Überprüfung kostenintensiver Vorgaben. „Bauen auf das Wesentliche“ bedeutet keine Abstriche bei Sicherheit, Dauerhaftigkeit oder Wohnqualität. Es bedeutet, Standards und Prozesse danach zu beurteilen, welchen konkreten Nutzen sie bringen und welche konkreten Kosten sie langfristig verursachen.  
Wenn leistbarer Boden, Wohnbauförderung, tragfähige Finanzierung und effiziente Verfahren zusammenspielen, können die Gemeinnützigen ihren Versorgungsauftrag auch künftig erfüllen. 


Neben dem Neubau gewinnt auch in Tirol die Sanierung des bestehenden Wohnungsbestands an Bedeutung. Wie kann es gelingen, Klimaziele und notwendige Modernisierungen mit leistbaren Wohnkosten zu verbinden? 
Klimaschutz und Leistbarkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Entscheidend ist eine Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Sanierungsmaßnahmen müssen technisch aufeinander abgestimmt, nach ihrer tatsächlichen Wirkung priorisiert und langfristig geplant werden. Dazu gehören insbesondere die Verbesserung der Gebäudehülle, die Umstellung der Wärmeversorgung und der sinnvolle Einsatz erneuerbaren Energien. Gleichzeitig müssen die finanziellen Auswirkungen für die Bewohnerinnen und Bewohner von Beginn an mitgedacht werden. Investitionskosten und mögliche Einsparungen bei Energie und Betrieb sind daher gemeinsam zu betrachten.  Damit dieser Ausgleich gelingt, braucht es verlässliche Sanierungsförderungen, langfristig planbare Finanzierungsmodelle und auch einen angemessenen Beitrag der Bewohnerinnen und Bewohner. Das Ziel muss sein, den Gebäudebestand ökologisch weiterzuentwickeln und die daraus entstehenden Belastungen auf mehrere Schultern zu verteilen. Eine erfolgreiche Sanierung verbessert nicht nur Energiekennzahlen, sondern auch Wohnqualität und langfristige Leistbarkeit. 

Tirol ist geprägt von sehr unterschiedlichen Regionen – vom Ballungsraum Innsbruck bis zu kleineren Gemeinden und ländlichen Gebieten. Welche Rolle können die Gemeinnützigen dabei spielen, leistbares Wohnen auch abseits der großen Zentren sicherzustellen? 
Tirol stellt keinen einheitlichen Wohnungsmarkt dar. Während in Innsbruck und seinem Umland vor allem Flächenknappheit, Nachverdichtung, und hohe Grundstückskosten bestimmend sind, geht es in kleineren Gemeinden oft um bedarfsgerechte Projektgrößen, die Stärkung des Ortskernes und darum, Wohnraum für die ansässige Bevölkerung zu sichern und damit Absiedelung zu vermeiden. Gerade hier liegt eine besondere Stärke der Gemeinnützigen:  Wir betrachten ein Projekt nicht nur bis zur Fertigstellung, sondern übernehmen langfristig Verantwortung 
für Verwaltung, Instandhaltung und Weiterentwicklung. Dadurch können auch kleinere, regional angepasste Vorhaben nachhaltig umgesetzt werden. Grundlage dafür ist enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Sie kennen den örtlichen Bedarf, schaffen die raumordnungsrechtlichen Voraussetzungen und können geeignete Grundstücke oder Baurechte bereitstellen. Die Gemeinnützigen 
bringen Projektentwicklung, Planung, Kostensteuerung, Bau und langfristige Verwaltung ein. So entstehen Lösungen, die nicht schematisch übertragen, sondern auf den tatsächlichen Bedarf der jeweiligen Region abgestimmt werden.  


Zum Abschluss ein Blick nach vorne: Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft in Tirol – und was möchten Sie in Ihrer neuen Funktion dazu beitragen? 
Ich wünsche mir ein langfristiges, gemeinsames Verständnis dafür, dass leistbares Wohnen eine zentrale gesellschaftliche Säule ist. Wohnbau benötigt Planungssicherheit über einzelne Konjunkturphasen und politische Perioden hinaus. Dazu gehören eine verlässliche Wohnbauförderung, eine aktive Bodenpolitik, effiziente 
Verfahren und eine langfristig tragfähige Strategie für den Gebäudebestand.  In meiner Funktion als Landesgruppenobmann möchte ich den Austausch zwischen den Tiroler Gemeinnützigen intensivieren, gemeinsame Positionen klar herausarbeiten und unsere praktische Erfahrung konstruktiv in den Dialog mit Land, Gemeinden und weiteren Partnerinnen und Partnern einbringen.  
Wir Gemeinnützigen brauchen stabile Rahmenbedingungen unten denen wir unseren gesetzlichen und gesellschaftlichen Auftrag dauerhaft erfüllen können. Denn leistbares Wohnen entsteht dann, wenn Grundstücke, Förderungen, Planung, Finanzierung und Umsetzung verlässlich ineinandergreifen. Dazu möchte ich gemeinsam mit meinen Branchenkolleginnen und Branchenkollegen einen nachhaltigen Beitrag leisten.