Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Wie die Siedlungsstruktur die Wohn- und Mobilitätsausgaben der Haushalte beeinflusst - neue Erkenntnisse aus der Konsumerhebung

Im Rahmen der Konsumerhebung wird alle fünf Jahre das Konsumverhalten der österreichischen Haushalte genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind nicht nur aufschlussreich bezüglich der Konsumausgaben der Haushalte, sondern bilden auch die Grundlage für die Gewichtung des Warenkorbs zur Inflationsberechnung. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die zwei größten Ausgabeposten Wohnen und Mobilität und zeigt, wie diese durch die Siedlungsstruktur beeinflusst werden.

Ausgaben für Wohnen und Energie stellen den größten Ausgabeposten dar
Den größten Posten in den Ausgaben der österreichischen Haushalte stellt der Bereich Wohnen und Energie dar. Im Durchschnitt machen die Ausgaben für Wohnen und Energie etwas mehr als ein Viertel (26,4%) der gesamten Konsumausgaben aus. Inkludiert sind beim Ausgabenpunkt Wohnen und Energie neben den tatsächlichen Wohn- und Energiekosten auch Betriebskosten sowie Instandhaltungskosten. Der Anteil der Wohn- und Energieausgaben an den gesamten Konsumausgaben ist in den vergangenen Jahren von allen Ausgabegruppen am stärksten gestiegen, und zwar um 2 Prozentpunkte von 24,4% in den Jahren 2019/20 auf die erwähnten 26,4 % in den Jahren 2024/25. Die Kosten für Wohnen und Energie nehmen also einen immer größeren Teil der gesamten Haushaltsausgaben ein. Dies ist dadurch zu erklären, da die (absoluten) Ausgaben für Wohnen und Energie im Zeitraum 2019/20 bis 2024/25 um etwa 38% gestiegen sind, während die Gesamtausgaben um etwa 28% gestiegen sind. 

Die zweitgrößte Ausgabengröße der Haushalte stellen die Kosten für Verkehr und Mobilität dar. Diese beanspruchen durchschnittliche 13,6% der Haushaltsausgaben. Der Anstieg der Ausgaben für Verkehr und Mobilität lag etwas unter dem Anstieg der gesamten Haushaltsausgaben, was dazu geführt hat, dass der Anteil an den Gesamtausgaben leicht rückläufig war (in den Jahren 2019/20 waren es noch 14%). 
 

Wohnen und Mobilität gemeinsam denken
Die Ausgaben für Verkehr und Mobilität sind jedoch nicht bloß der zweitgrößte Ausgabeposten für die österreichischen Haushalte, es besteht auch ein enger Zusammenhang zwischen Wohnen und Mobilität, der vor allem durch die Siedlungsstruktur bzw. der Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln geprägt ist. In der wissenschaftlichen Literatur wird die Leistbarkeit, die durch diese beiden Ausgabeposten erklärt wird, auch als „location affordability“ („standortbedingte Leistbarkeit“) bezeichnet. 

Die Ausgaben für Wohnen und Verkehr machen gemeinsam 40% der durchschnittlichen Haushaltsausgaben aus. Betrachtet man einmal rein die Pro-Kopf-Ausgaben für Wohnen, so fällt auf, dass zwischen dünn und dicht besiedelten Gebieten keine allzu großen Unterschiede bestehen. Die durchschnittlich höheren Wohnkosten für meist größere Wohnungen und Häuser in ländlichen Gebieten näheren sich bei einer pro-Kopf Betrachtung durch die ebenfalls größeren Haushaltsgrößen in etwa den Ausgaben in städtischen Regionen an. Kurzum, pro Kopf geben ländliche und städtische Haushalte ähnlich viel für das Wohnen aus. Zieht man jedoch die Wohnebenkosten hinzu und insbesondere die Instandhaltungs- und Energiekosten, so ist auffallend, dass diese in ländlichen Gebieten auch pro Kopf deutlich höher sind als in städtischen (dicht besiedelten) Gebieten.

Nimmt man zusätzlich auch noch die Kosten für Verkehr und Mobilität hinzu, so zeigt sich ein deutliches Stadt-Land Gefälle, und zwar zugunsten der städtischen Regionen. Durch die deutlich höheren Mobilitätsausgaben in dünn besiedelten Gebieten übersteigen die Wohn- und Mobilitätsausgaben in Gebieten mit dünner und mittlere Bevölkerungsdichte die Ausgaben von dicht besiedelten Gebieten um 13-15%. Zu erklären ist das vor allem durch die deutlich höheren Kosten für den motorisierten Individualverkehr. 91% der durchschnittlichen Ausgaben für Mobilität und Verkehr entfallen auf den Kauf und den Betrieb (Treibstoff, Service, Reparatur) von PKWs und nur ein kleiner Teil auf die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr. Hier zeigt sich jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Regionen. 

In dicht besiedelten (urbanen) Gebieten führt das bessere Angebot an öffentlichen Verkehrsmittel zu einer deutlich geringeren PKW-Dichte und dadurch zu insgesamt deutlich geringeren Mobilitätskosten. Während 46% aller Haushalte in dicht besiedelten Gebieten keinen PKW besitzen, sind es lediglich 11% in dünn besiedelten Gebieten. In dünn besiedelten Gebieten besitzen 41% der Haushalte sogar 2 PKWs. 
 

Die Gesamtausgaben für einen „Wohnstandort“, der neben Wohn- und Energiekosten auch Mobilitätskosten berücksichtigt, zeigen, dass Haushalte in dicht besiedelten Gebieten monatlich um etwa 130 bis 160 Euro pro Person weniger ausgeben als Haushalte in dünn besiedelten Regionen. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern entspricht dies einer monatlichen Ersparnis von rund 360 bis 450 Euro.

Die wohnungspolitische Schlussfolgerung daraus ist, dass die Sicherung der Leistbarkeit des Wohnens im Rahmen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung insbesondere in Regionen mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgen sollte. Dies verbessert nicht nur die Leistbarkeit insgesamt, sondern trägt auch wesentlich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei. Durch kompakte Bautypologien im Neubau wie im Bestand bietet der gemeinnützige Wohnsektor hierfür eine solide Ausgangsbasis: Er senkt durch leistbare Mieten die Wohnkosten und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zu umwelt- und ressourcenschonendem Bauen sowie zur Verringerung verkehrsbedingter Emissionen.


Verfasser: Gerald Kössl, Wohnwirtschaftliches Referat