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Die demografische Zusammensetzung der BewohnerInnenschaft im gemeinnützigen Wohnbau

Über die letzten Jahrzehnte hat sich die demografische Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften deutlich verändert. Auch Österreich hat einen demografischen Wandel erlebt, der sich nicht nur in einer gewandelten Bevölkerungsstruktur darstellt, sondern auch neue Ansprüche an das Wohnen mit sich bringt. Dieser Beitrag zeichnet zu Beginn die wichtigsten demografischen Veränderungen in Österreich nach und beschäftigt sich dann mit der Frage, wie die soziale und ökonomische Zusammensetzung der Bevölkerung in den unterschiedlichen Rechtsformen beim Wohnen aussieht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Sozialstruktur im gemeinnützigen Sektor. Als die bedeutendsten Anbieter von leistbarem Wohnraum in Österreichs haben die demografischen Veränderungen auch auf dieses Segment einen wesentlichen Einfluss was das Wohnungsangebot und die geänderten Bedürfnisse der BewohnerInnenschaft betrifft. 


Der gemeinnützige Sektor verwaltet in etwa ein Viertel des österreichischen Wohnungsbestandes, den Großteil davon, und zwar 17% als Mietwohnungen. Insgesamt leben also rund 700.000 Haushalte bzw. 1,34 Millionen Personen in gemeinnützigen Mietwohnungen in Österreich. GBVs leisten in allen österreichischen Bundesländern einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit leistbarem und qualitativ-hochwertigem Wohnraum und haben damit sogar einen messbaren Effekt auf den Gesamtwohnungsmarkt1.

1. Der demografische Wandel der österreichischen Gesellschaft
Im Jahr 2023 betrug die Bevölkerung Österreichs 9,1 Millionen Menschen. 19% der Bevölkerung sind unter 20 Jahre, 61% zwischen 20 und 64 Jahren und 20% sind 65 Jahre oder älter. Ein prägendes Element des demografischen Wandels der vergangenen Jahrzehnte war die Alterung der österreichischen (und europäischen) Gesellschaft. Das Medianalter der österreichischen Bevölkerung lag im Jahr 2023 bei 43 Jahren, was einer Steigerung von zwei Jahren seit 2009 entspricht.  Bis zum Jahr 2050 prognostiziert die Statistik Austria einen Anstieg des Anteils der 65+jährigen auf 28%, von der erwähnten 20% im Jahr 2023. Während sich also die absolute Zahl der Bevölkerungsgruppen bis 65 Jahren bis 2080 kaum verändern wird, so zeigen die Prognosen ein Bevölkerungswachstum, das vorranging vom Anstieg der 65+jährigen getrieben wird. 
 

2. Gemeinnützige MieterInnen sind jünger als der österreichische Durchschnitt, die jüngste BewohnerInnenschaft lebt zur privaten Miete
Auch vor dem gemeinnützigen Sektor macht der demografische Wandel keinen Halt. Das durchschnittliche Alter ist auch im gemeinnützigen Sektor in den letzten Jahren weiter gestiegen. Insgesamt sind die BewohnerInnen von GBV-Mietwohnungen jedoch um 2 Jahre jünger (41 Jahre) als im Gesamtdurchschnitt. Das geringste Medianalter weist mit 34 Jahren der private bzw. gewerbliche Mietsektor auf. Das ergibt sich auch daraus, dass private Mietwohnungen für viele die erste Wohnform nach Auszug aus dem Elternhaus sind. Das Medianalter von MieterInnen im kommunalen Wohnbau liegt österreichweit ähnlich hoch wie im gemeinnützigen Sektor. Letzteres trifft auch auf Wien zu, wo ein Großteil des österreichischen kommunalen Wohnbaubestandes steht. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter von MieterInnen deutlich unter jenem von EigentümerInnen. Die jüngsten GBV-MieterInnen findet man in Niederösterreich (Median: 36 Jahre), die ältesten in Tirol mit einem Medianalter von 43 Jahren. In allen Bundesländern mit Ausnahme von Tirol und Wien liegt das Medianalter von GBV-MieterInnen unter dem jeweiligen Bundesland-Median. 
 

3. Von allen Haushaltstypen sind die Einpersonenhaushalte am stärksten gestiegen
Die Zahl der Privathaushalte ist von 2,8 Millionen im Jahr 1985 auf 4,1 Millionen im Jahr 2024 gestiegen. Das entspricht einem Plus von 47%. Am stärksten ist die Zahl der Einpersonenhaushalte gestiegen; diese haben sich zwischen 1985 und 2024 mehr als verdoppelt, von 770.000 auf 1,6 Millionen. Aktuell sind etwa 38% aller österreichischen Haushalte Einpersonenhaushalte. Rund die Hälfte (52%) aller Haushalte sind Paarhaushalte, dabei halten sich jene mit Kindern (26%) und jene ohne Kinder (25%) in etwa die Waage. 


Insbesondere bei den Einpersonenhaushalten sind starke Abweichungen sowohl zwischen urbanen und ländlichen Regionen als auch zwischen den Rechtsformen zu beobachten. In den urbanen Räumen Österreichs ist fast jeder zweite Haushalt (46%) ein Einpersonenhaushalt. Aber auch in ländlichen Regionen liegt der Anteil bei 31%. Es gibt also in ländlichen Regionen in etwa gleich viele Einpersonenhaushalte wie Paare mit Kindern (32%) und wie Paare ohne Kinder (28%).


7% aller Haushalte sind Ein-Eltern-Haushalte, wobei es sich bei 83% aller Ein-Eltern Haushalte um Mütter mit Kindern handelt. Die Restgröße von 3% besteht zum einen aus Mehrpersonen-Nichtfamilienhaushalte (z.B. Wohngemeinschaften) und Zwei- oder Mehrfamilienhaushalten. 


Die Haushaltstypologien unterscheiden sich auch deutlich nach den Rechtsformen der Wohnverhältnisse. Personen in Mietverhältnissen und im Wohnungseigentum leben deutlich häufiger in Einpersonenhaushalten als Personen im Hauseigentum. Am höchsten sind die Anteile bei Personen in gemeinnützigen und in privaten Mietverhältnissen, wo jeweils 49% allein leben. Allerdings besteht ein deutlicher Unterschied in der Altersstruktur der Einpersonenhaushalte, die zur Miete und im Eigentum wohnen. Während 50% aller Einpersonenhaushalte im Hauseigentum über 65 Jahre ist, liegt der Anteil bei privaten MieterInnen lediglich bei 18%, bei gemeinnützigen MieterInnen bei 31% und im kommunalen Wohnbau bei 34%. Im Hauseigentum ist also ein deutlich höherer Anteil der Einpersonenhaushalte älteren Alters, während die Einpersonenhaushalte von MieterInnen deutlich jüngeren Alters sind. Insbesondere der hohe bzw. steigende Anteil von Einpersonenhaushalten im Einfamilienhaus (Hauseigentum) stellt wohnungspolitisch eine zunehmende Herausforderung dar, sowohl hinsichtlich überdimensionierter Wohnflächen als auch der Instandhaltung bzw. der Dekarbonisierung der Häuser. 
 

Schlussfolgerungen
Die Erkenntnisse über die sozio-demografische Zusammensetzung der unterschiedlichen Wohnformen bzw. den demografischen Wandel lassen einige Schlüsse für die Wohnungspolitik und die künftigen Bedarfe im gemeinnützigen Sektor zu:


Demografischer Wandel erfordert Anpassungen im Wohnbau
Die steigende Lebenserwartung und der wachsende Anteil älterer Menschen (65+) in Österreich (von 20 % auf 28 % bis 2050) machen eine Anpassung des Wohnungsangebots notwendig. Barrierefreie und altersgerechte Wohnkonzepte gewinnen an Bedeutung.


Jüngere BewohnerInnen im gemeinnützigen Wohnbau
Im Vergleich zum Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung sind die BewohnerInnen im gemeinnützigen Mietsektor tendenziell jünger. Dennoch steigt auch hier das Durchschnittsalter. Dies erfordert gezielte Wohnangebote für verschiedene Altersgruppen.


Wachsender Anteil von Einpersonenhaushalten
Der starke Anstieg der Einpersonenhaushalte (insbesondere in urbanen Gebieten mit 46 %) stellt den Wohnungsmarkt vor Herausforderungen. Besonders relevant ist dies für den gemeinnützigen Wohnbau, wo knapp die Hälfte der Haushalte von Einzelpersonen bewohnt wird.


Wohnpolitik muss auf neue Realitäten reagieren
Die beschriebenen demografischen Entwicklungen verlangen eine langfristige wohnpolitische Strategie. Dazu gehören gezielte Maßnahmen zur Förderung von leistbarem Wohnraum, generationengerechte Wohnkonzepte sowie eine nachhaltige Nutzung bestehender Wohnflächen.

 

Autor: Gerald Kössl

 

 1Klien et al. (2023): Die preisdämpfende Wirkung des gemeinnützigen Wohnbaus in Österreich. WIFO/GBV.  https://non-profit-housing.wifo.ac.at/