GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Verband leistet Input zu OECD Projekt

Am 13. Februar besuchte eine kleine Delegation des Verbandes die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Paris, um dort das österreichische System der Wohnungsgemeinnützigkeit und dessen Bedeutung für den Wohnungsmarkt zu präsentieren. Die Einladung erfolgte im Rahmen eines aktuellen OECD Projekts zu leistbarem Wohnen, aus dem in weiterer Folge Berichte und Analysen zum Wohnungsmarkt aber insbesondere auch Empfehlungen für nationale Regierungen entstehen werden. „Dass sich eine derart anerkannte, internationale Organisation Input über die österreichische gemeinnützige Wohnungswirtschaft holt, zeigt, dass die wichtige Rolle unserer Branche für einen stabilen und ausgeglichen Wohnungsmarkt auch international anerkannt wird“, betonte Verbandsobmann Bernd Rießland. 

Horizontales Projekt zu leistbarem Wohnen in der OECD

Die OECD setzt sich aus gegenwärtig 36 Staaten zusammen. Sie umfasst neben den 27 EU Staaten (plus Großbritannien) auch andere Länder wie etwa die USA, Kanada, Australien, Japan oder Mexiko. Das Ziel der OECD ist es gemeinsame wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu erkennen, Lösungsvorschläge zu erarbeiten aber auch Herangehensweisen abzustimmen. Die klassischen Themen, zu denen die OECD regelmäßig Berichte veröffentlicht bzw. Stellungnahmen abgibt liegen unter anderem in den Bereichen Arbeitsmarkt, Steuern, Wissenschaft und Technologie. Nach diesen Themengebieten sind auch die Direktorate der OECD aufgeteilt. Das Thema Wohnen spielte lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle. 

Die Finanz- und Immobilienkrise bzw. das zunehmende Problem der Leistbarkeit von Wohnen (und damit verbundene Fragen der Arbeitskräftemobilität) in jüngerer Zeit haben nun auch bei der OECD das Interesse am Thema Wohnen verstärkt. Das zeigt sich auch an der Erstellung einer umfassenden Datenbank zum Wohnungsmarkt seitens der OECD (Affordable Housing Database) für die sowohl Eurostat Daten als auch eine Vielzahl anderer nationaler Datensätze für den gesamten OECD Raum aufbereitet wurden. Obwohl sich die Datenbank noch im Aufbau befindet, sind einige Ergebnisse bereits jetzt verfügbar.

Aufgrund der Querschnittsmaterie ist das OECD-Projekt ein „horizontales“, d.h. nicht in einem, sondern in gleich sechs Direktoraten angesiedelt. Das Treffen war daher eine gute Möglichkeit um sowohl auf die Bedeutung von gemeinnützigen Bauvereinigungen als eigenständige Akteure des Dritten Sektors als auch auf deren gesamtwirtschaftlichen Effekte hinzuweisen. 

Die Wohnungsgemeinnützigkeit als eigenständiger Dritter Sektor

In internationalen Debatten zur Wohnungspolitik und zum Teil auch innerhalb der OECD herrscht häufig die Vorstellung, dass es einerseits einen staatlich geförderten Wohnbau für untere Einkommensgruppen gibt bei dem Miete nicht nach betriebswirtschaftlichen sondern sozialen Kriterien gebildet wird und andererseits den sogenannten „freien Markt“, der die Wohnversorgung für die restliche Bevölkerung zu maximal möglichen Preisen bereitstellt. Eigenständige Akteure des Dritten Sektors, die zwar privatwirtschaftlich organisiert sind und nach betriebswirtschaftlichen Kriterien kalkulieren aber deren Ziel nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Gemeinwohlorientierung ist, kommen in diesen Debatten oft zu kurz. In den gängigen Statistiken der OECD aber auch von Eurostat wird meist von einem sozialen bzw. geförderten Wohnbausektor gesprochen ohne dabei zwischen staatlichen und gemeinnützigen Akteuren zu unterscheiden. Dass es mehrere Schnittmengen zwischen den Akteuren (gewerblichen oder gemeinnützigen), dem Förderstatus (gefördert oder nicht gefördert), der Rechtsform (Miete oder Eigentum) bzw. der Gebäudetypologie (Wohnung oder Haus) gibt wird oft vernachlässigt. 

„Im Workshop haben wir deshalb ganz bewusst versucht, gemeinnützige Bauvereinigungen als Marktteilnehmer am Gesamtmarkt zu präsentieren, die sowohl am Miet- und Eigentumsmarkt teilnehmen sowie mit aber auch ohne Förderung Wohnungen und Häuser errichten,“ beton Bernd Rießland. Ebenfalls angeregt wurde von Seite des Verbandes, in zukünftigen Analysen der OECD stärker auf die Stellung von gemeinnützigen Akteuren (des Dritten Sektors) einzugehen bzw. diese als separate Kategorie einzuführen. 

Darstellung 1: Die unterschiedlichen Wohnungsteilmärkte in Österreich

Darüber hinaus betonten die GBV-Experten in ihrer Präsentation insbesondere auch das revolvierende System innerhalb der Wohnungsgemeinnützigkeit, bei dem erwirtschaftetes Kapital nur beschränkt (auf 3,5% des einbezahlten Kapitals) ausbezahlt wird und anstatt dessen in den Neubau oder in Renovierungen investiert wird. Die Tatsache, dass es mit dem System der Gemeinnützigkeit in Österreich einen privatautonomen, nicht spekulativen Sektor gibt, der aufgrund seines Geschäftsmodells langfristig leistbaren und sicheren Wohnraum schafft, stieß teilweise auf Verwunderung aber auch auf großes Interesse bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops. Anschließend an den Workshop gab es noch ein Treffen zwischen den Delegierten des Verbandes und Vertretern der österreichischen ständigen Vertretung der OECD in Paris.

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