GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Dem Klimawandel entgegen bauen

Der Sommer 2017 war der drittwärmste Sommer der Messgeschichte. In vielen Regionen gab es zwei bis sechs Mal so viele Hitzetage wie in einem durchschnittlichen Sommer. Österreich erlebte die elf wärmsten Sommer der 251-jährigen Messgeschichte im Zeitraum 2000 bis 2017, so die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Das bedeutet auch neue Herausforderungen für die Bauwirtschaft sowie für den gemeinnützigen Wohnbau.

Denn die versiegelten Oberflächen absorbieren Wärme und können keine kühlende Feuchtigkeit speichern. Im dichtbebauten Stadtgebiet heizt sich die Luft überdurchschnittlich auf, man spricht von „urbanen Hitzeinseln“. Hohe Temperaturen, insbesondere in der Nacht, haben auf Dauer negative Auswirkungen für Stadtbewohnerinnen und -bewohner: Stress, Schlafmangel, verringerte Leistungsfähigkeit bis hin zu lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen.

Die Möglichkeiten für mehr Grün im Wohnbau sind vielfältig: Reduktion von Pkw-Stellplätzen im Hof, Begrünung von Dächern und Fassaden, Verlagerung der Mülltonnen in einen hausinnenseitigen (neugeschaffenen) Müllraum, Pflanzen von schattenspendenden Bäumen – um nur einige zu nennen. Best-Practice-Beispiele von GBV aus ganz Österreich zu den verschiedenen Aspekten des „Bauens mit Grünraum“ sollen hier vorgestellt werden. 

In der „Biotope City Wienerberg“, bei der vier GBV (GESIBA, ÖSW, WIEN SÜD, WOHNUNGSEIGENTUM) beteiligt sind, wird bis 2020 das ehemalige Areal der Coca-Cola Produktion neu bebaut. „Biotope City“ bedeutet, dass Menschen und Natur in engem und ausgleichendem Miteinander leben können. Es ist genügend und entsprechend gestalteter Raum vorhanden, der sich an den Bedürfnissen von Menschen, Flora und Fauna gleichermaßen orientiert. Die „Biotope City Wienerberg“ versteht sich dabei als Gartenstadt des 21. Jahrhunderts und reagiert auf die zunehmende Verstädterung und den Klimawandel. Die Grünflächen dienen Spiel, Naherholung und Urban Gardening gleichermaßen. Nachhaltiges Wassermanagement ergänzt das Gesamtkonzept, bei dem 950 Wohnungen, davon ca. 600 geförderte, gebaut werden. 

 

© Rüdiger Lainer + Partner ZT GmbH, BPL 9: schreinerkastler.at

Urban Gardening steht auch im Fokus von „In der Wiesen“ in Wien 23. Hier entsteht Europas größtes Urban-Gardening-Quartier. Neben privaten Bauträgern sind hier mit VOLKSBAU, BWSG, ÖVW EBG und Eisenhof auch mehrere Gemeinnützige vertreten. Die fünf Wohnprojekte wollen auf verschiedensten Ebenen das Gärtnern ermöglichen. Von den privaten Balkonen mit Pflanztrögen angefangen über unterschiedliche Jahreszeiten-Terrassen bis hin zum Gemeinschaftsgarten wird grünes Leben in den Mittelpunkt gestellt. Zusätzlich wird so auch ein Beitrag zu einer guten und bunten Nachbarschaft geleistet. Als weiteres Zuckerl begleiten Expertinnen und Experten die Quartiersgruppe und unterstützen sie beim Aufbau eines Gartenvereins – Gartenworkshops inklusive.

© synn architekten ZT-OG

Auch in Linz wurde beim neuen Stadtteil “Grüne Mitte Linz” auf dem Areal des ehemaligen Frachtenbahnhofs ein Fokus auf Begrünung gelegt. Mit 85.000 m² ist es aktuell das größte – räumlich zusammenhängende - städtebauliche Projekt in Linz. Bauträger sind ausschließlich GBV: Baureform-Wohnstätte, Wohnungsgenossenschaft FAMILIE in Linz, GWG, OÖ WOHNBAU, LAWOG, NEUE HEIMAT und WSG. Wo früher Verkehr dominierte, entstand ein grün durchzogener Stadtteil mit 800 Wohnungen, davon 50 betreubare Wohneinheiten, sowie Geschäfte und Einrichtungen für den täglichen Bedarf. Ausgehend vom Herzstück, dem 14.000 m² großen, öffentlich zugänglichen Park samt Kinderspielplatz, erstreckt und entfaltet sich das Grün über Eigengärten, Terrassen, Loggien und Balkone bis hinauf zu den Dächern.

 

© OÖ WOHNBAU Peter Christian Mayr, BSc

Manchmal braucht es für mehr Grün auch mehr Technik: Am Fuße des Schlosses St. Martin in Graz entsteht mit dem Projekt „Greencity Graz“ ebenfalls urbanes Wohnen im Grünen. Inmitten einer Grünoase werden 15 Wohnhäuser im Auftrag der IVG Immobilienverwaltung GmbH errichtet, wovon die GWS drei umsetzt und die BWS ebenfalls eines. Die Wohnungen liegen sehr ruhig und dennoch urban. Die umliegende Natur bietet vielfältige Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Bei einigen Gebäuden wurde durch den Einbau von Druckbelüftungsanlagen eine andernfalls erforderliche umlaufende Feuerwehrauffahrtszone vermieden. So kann ein Maximum an Grünflächen entstehen.

 

© GWS / freeDIMENSIONS

Nicht nur beim Neubau spielt die Grünraumgestaltung eine wichtige Rolle. Auch bei Sanierungen kann man den Freiraum aufwerten. So geschehen bei der Strubergassensiedlung in Salzburg. Die Anlage mit rund 600 Wohnungen wurde im Zeitraum von 2012 bis 2017 neugestaltet. Zwölf Wohnhäuser wurden saniert, elf Häuser wurden abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt. Im Zuge der Siedlungserneuerung wurden auch die Außenanlagen neugestaltet. Inmitten der Siedlung liegt nun ein Spielplatz der Stadt Salzburg.

© GSWB

 

Weiterführende Links:

Wien, MA 22: Strategieplan Urban Heat Islands:  https://www.wien.gv.at/umweltschutz/raum/pdf/uhi-strategieplan.pdf

Ganzheitliche Kompetenzstelle für Bauwerksbegrünung: https://gruenstattgrau.at/

 

© 2017, Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen