GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Projekt des Monats: Neuer Spirit in alten Gemäuern

Kaum eine Stadt in Österreich vereint so sehr Geschichte, Industrie und moderne Technik wie Steyr. In Sichtweite der Wallfahrtskirche Christkindl und der historischen Altstadt finden sich eine der Wiegen der österreichischen Industrie und die bis heute die Gegend prägenden Leitbetriebe aus der Technikbranche. Dass man diese Geschichte auch mit neuem Leben füllen kann, zeigt ein kürzlich fertiggestelltes Projekt zweier GBVs. Pünktlich zum Semesterbeginn ist in der Stadt am Zusammenfluss von Enns und Steyr nun das neue Studentenheim fertig geworden. Errichtet durch die FAMILIENWOHNBAU (Bauherr) und vor Ort betreut durch die GSA (Bauherrenvertretung) wurde das ehemalige Objekt X der Waffenradfabrik in Steyr revitalisiert und zu einem Studentenwohnheim umgebaut. 

Altes und Neues vereinen

Wie bei derartigen Revitalisierungen üblich, war auch hier der Denkmalschutz eine gewisse Herausforderung. Die unter Denkmalschutz stehende Hülle des Gebäudes sowie die Gußsäulen im Foyer wurden unter den Auflagen des Bundesdenkmalamts und der Altstadterhaltung Steyr revitalisiert beziehungsweise neu ausgeführt. Die bestehenden Fenster an der Straßenfassade des Haupttraktes wurden restauriert. Der Haupttrakt wurde entkernt und mit einer neuen Bodenplatte, neuen Zwischendecken und einem neuen Dachstuhl ausgestattet. Auch das Dach wurde erneuert und mit einer Biberschwanzdeckung gedeckt. Um die thermischen Anforderungen zu erfüllen, wurde innen eine zweite Fensterebene mit Isolierverglasung vorgesetzt. Der Umbau wurde mithilfe von Förderungen des Bundesdenkmalamtes, des Landes Oberösterreich und der Stadt Steyr durchgeführt.

Viel Platz für Gemeinschaft

Das neue Studentenheim, unweit der Fachhochschule gelegen, hat 87 Studentenzimmer. Die Zimmer bestehen hauptsächlich aus Duplexeinheiten mit einem Aufenthaltsraum mit Miniküchen sowie getrenntem Bad und WC. Die beiden Sanitärräume sind im Gegensatz zu den 3,6m hohen Räumen als Boxen mit einer Raumhöhe von 2,2m ausgeführt. Dadurch entstand ein höherliegender Bereich in den Zimmern, der als Schlafebene genutzt wird. Im Erdgeschoss des Haupttraktes befindet sich ein großzügiges Foyer, ein Fitnessraum und eine Waschküche für die Studentinnen und Studenten. Der sogenannte Wassertrakt blieb in seiner Struktur weitgehend unverändert und wird als offener Aufenthaltsraum genutzt. 

P.S.: Die Bezeichnung Waffenrad hat nicht mit einer militärischen Verwendung zu tun. Sie entstand, weil der Hersteller die Oesterreichische Waffenfabriks-Gesellschaft war. Um in Friedenszeiten ihre Anlagen auszulasten, wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts Fahrräder für den zivilen Bereich produziert.

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