GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Interview mit Georg Willi: Erster grüner Bürgermeister Innsbrucks und erster Sonderbeauftragter für leistbares Wohnen


GBV-aktuell: Was sind aus ihrer Sicht die Gründe für die hohen Mietpreise in Tirol? Gibt es in Tirol Besonderheiten im Vergleich zu anderen Bundesländern?
Bürgermeister Georg Willi: Die Mieten steigen auch in den anderen Bundesländern, am stärksten betroffen sind aber Ballungsräume, im Besonderen unsere Stadt. Die Lebensqualität in Innsbruck und Tirol nimmt stetig zu – auch aufgrund grüner Maßnahmen. Das ist erfreulich, aber Bevölkerungswachstum und Zuzug sorgen für Druck auf dem Wohnungs- und Mietmarkt.

GBV-aktuell: Welche Maßnahmen planen Sie mit Ihrer Initiative für leistbares Wohnen?
Bürgermeister Georg Willi: Im Arbeitsübereinkommen der Stadtkoalition wurde die Errichtung von 3000 neuen Wohnungen paktiert. Die Mietzinsbeihilfe wurde schon neu geregelt. Es gibt einheitliche Wartefristen. Entwicklungen in Richtung Vermieter*innenförderung werden gestoppt. Die nächsten Schritte sind die Einrichtung einer Wohnungsservicestelle und Maßnahmen zur Leerstandsmobilisierung. Gemeinsam mit dem Land Tirol sollen Millionen ins studentische Wohnen fließen. Leider konnte ich für die Baulandmobilisierung mit sogenannten Vorbehaltsflächen keine Mehrheit im Gemeinderat finden.

GBV-aktuell: Warum ist die Spekulation in Tirol ein besonderer Preistreiber?
Bürgermeister Georg Willi: Ständig steigende Preise versprechen gute Renditen. Da kann nur die Bundesregierung mit strengeren Spekulationsverboten wirklich eingreifen. Es widerspricht dem Gedanken des Gemeinwohls, wenn Wohnungen leer stehen, nur weil sie als Spekulationsobjekt und Vermögensanlage dienen.

GBV-aktuell: Was für Schritte planen Sie als Bürgermeister von Innsbruck? Welche Herausforderungen sehen Sie hier?
Bürgermeister Georg Willi: Wo immer die Stadt Innsbruck Spekulation verhindern kann und Wohnraum realisieren kann, tut sie es. Der Verkauf etwa der BUWOG-Wohnungen durch Schwarz-Blau war ein großer Fehler: Genau diese Wohnungen landen jetzt teilweise auf dem Spekulationsmarkt. Innsbruck wird auch verstärkt gegen die Vermietung von wertvollem Wohnraum auf AirBnB und ähnlichen Plattformen vorgehen: Aber auch hier braucht es bundesgesetzliche Bestimmungen, um den Städten unter die Arme zu greifen.

GBV-aktuell: Welche Rolle kann der gemeinnützige Wohnbau in Tirol für leistbare Mieten aus ihrer Sicht leisten?
Bürgermeister Georg Willi: Schon jetzt hat die Stadt Innsbruck das Vergaberecht für mehr als 16.500 Wohnungen – diese Zahl soll in den kommenden Jahren auf fast 20.000 angehoben werden. In diesen geförderten Wohnungen gibt es leistbare Mieten, die schon jetzt den Wohnungsmarkt entlasten. Ohne den gemeinnützigen städtischen Wohnbau wäre die Lage bereits jetzt aussichtslos.

 

Bürgermeister Georg Willi - Fotocredit: Christian Forcher

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